
SurtitleLive veröffentlicht Pockitle: Live-Untertitel für ungeskriptete Aufführungen
Manche Texte einer Aufführung lassen sich Monate im Voraus vorbereiten. Andere Worte existieren erst in dem Moment, in dem eine darstellende Person, ein Redner oder jemand aus dem Publikum sie ausspricht.
SurtitleLive hat Pockitle offiziell veröffentlicht: ein Werkzeug für Live-Untertitel in Theateraufführungen, Vorträgen, Podiumsgesprächen, Workshops, Fragerunden und anderen sprachbasierten Veranstaltungen, bei denen kein fertiges Untertitelmanuskript vorliegt.
Pockitle hört einer gesprochenen Sprache zu, erzeugt darin Live-Untertitel und kann bis zu drei maschinell übersetzte Untertitelsprachen ergänzen. Das Publikum öffnet die Untertitel über einen Weblink oder QR-Code auf dem eigenen Smartphone; im Veranstaltungsraum kann zusätzlich eine ausgewählte Sprache auf einem gemeinsamen Bildschirm erscheinen.
Es muss weder ein Untertitelmanuskript hochgeladen noch eine vorbereitete Cue-Folge bedient werden.
Pockitle soll den vorbereiteten Übertitel-Workflow von SurtitleLive nicht ersetzen. Beide Produkte gehen von unterschiedlichen Arten von Text aus:
- SurtitleLive ist für Worte gedacht, die vorbereitet, redigiert, übersetzt, geprobt und gezielt eingespielt werden können.
- Pockitle ist für Worte gedacht, die während des Sprechens untertitelt werden müssen.
Die Wahl beginnt mit einer einfachen Frage:
Wissen Sie vor Beginn der Aufführung, was gesagt werden wird?
Was Pockitle leistet
Pockitle bietet einen browserbasierten Workflow, der gesprochene Sprache im Raum in lesbare Untertitel verwandelt.
Ein Produktions- oder Veranstaltungsteam kann:
- eine Sprache auswählen, die während der Veranstaltung gesprochen wird;
- Live-Untertitel in dieser Originalsprache ausgeben;
- bis zu drei übersetzte Untertitelsprachen ergänzen;
- dem Publikum einen einzigen Link oder QR-Code bereitstellen;
- jede Person auf dem eigenen Smartphone eine verfügbare Sprache wählen lassen;
- eine ausgewählte Untertitelsprache auf einem Saalbildschirm zeigen;
- die Untertitelung in der Pockitle Live Console starten, pausieren, fortsetzen und überwachen;
- bei Bedarf vorbereitete Hinweise für wichtige nichtsprachliche Momente einspielen;
- optional eine Untertitelaufzeichnung mit Zeitstempeln für die Nachbereitung speichern.
Das Publikum muss keine App installieren.
Derselbe bestätigte Untertitelstand kann sowohl auf persönlichen Smartphones als auch auf einem gemeinsamen Saalbildschirm erscheinen. Die Bedienperson muss nicht für jede Ausgabefläche eine eigene Untertitelfolge veröffentlichen.
So verwenden Sie Pockitle
Der praktische Ablauf ist bewusst unkompliziert gehalten.
1. Eine Veranstaltung anlegen
Beginnen Sie mit New show und erstellen Sie die Publikumsadresse, die zu dieser Veranstaltung gehört.
Die Adresse lässt sich als Link oder QR-Code teilen. Das Publikum nutzt sie vor oder während der Veranstaltung, um den Untertitel-Viewer zu öffnen.
2. Sprachen auswählen
Wählen Sie die eine Sprache aus, die während der Aufführung oder Veranstaltung gesprochen wird.
Diese Sprache ist automatisch als Originaluntertitel enthalten. Anschließend können Sie bis zu drei übersetzte Untertitelsprachen für das Publikum hinzufügen.
Bieten Sie nur Sprachen an, die das Produktionsteam vor dem Einlass tatsächlich testen kann.
3. Audioeingang vorbereiten und testen
Pockitle kann mit einem Mikrofon arbeiten. Zuverlässiger ist in der Regel jedoch ein kontrolliertes Sprachsignal aus dem Mischpult des Veranstaltungsorts.
Verwenden Sie beim Eingangstest das tatsächliche Mikrofon, den tatsächlichen Computer und Browser, den vorgesehenen Mischpultweg sowie die realen Raumbedingungen. Ein sauberes Sprachsignal ist wichtiger als der Standort des QR-Codes.
Musik, Raumreflexionen, Applaus, sich überlagernde Stimmen und weit entfernte Mikrofone können die Erkennung beeinträchtigen.
4. Publikums- und Saalausgabe vorbereiten
Platzieren Sie den Publikumslink oder QR-Code vor Veranstaltungsbeginn dort, wo er leicht zu finden ist: etwa im digitalen Programm, an der Kasse, am Eingang oder auf einer Karte mit Zugangsinformationen.
Wenn projiziert wird, öffnen Sie die tatsächliche Projektionsausgabe und wählen Sie die Sprache, die auf dem gemeinsamen Bildschirm erscheinen soll.
Testen Sie sowohl die Smartphone-Ansicht als auch die Projektion, bevor das Publikum eingelassen wird.
5. Zuhören starten
Wenn Eingang und Ausgaben bereit sind, öffnen Sie die Pockitle Live Console und wählen Start listening.
Prüfen Sie zunächst die Untertitel in der Originalsprache und anschließend jede Übersetzung, die dem Publikum angekündigt wurde.
Lassen Sie die Console während der gesamten Veranstaltung geöffnet und überwachen Sie ihren Status.
6. Pausieren, fortsetzen und beenden
Pausieren Sie die Untertitelung, bevor Sie das Mikrofon oder den Audioweg ändern. Testen Sie den neuen Eingang, bevor Sie fortfahren.
Beenden Sie am Schluss das Zuhören und wählen Sie End performance. Pockitle schließt daraufhin die aktuelle Publikumssitzung und erstellt die Zusammenfassung der Aufführung.
Wenn Untertitelaufzeichnungen aktiviert wurden, kann das Team anschließend die CSV-Datei mit Zeitstempeln prüfen. Rohes Audiomaterial wird nicht gespeichert.
Live-Untertitel und Übertitel lösen unterschiedliche Aufgaben
Live-Untertitel und Übertitel bringen beide Text vor ein Publikum. Damit endet die Gemeinsamkeit jedoch weitgehend.
Ausgangsmaterial, redaktioneller Prozess und betriebliche Voraussetzungen unterscheiden sich.
| Frage | Vorbereitete SurtitleLive-Übertitel | Pockitle-Live-Untertitel |
|---|---|---|
| Woher kommt der Text? | Aus einem Stücktext oder einem vorbereiteten Untertiteldokument | Aus der während der Veranstaltung erfassten Sprache |
| Kann der Wortlaut vorab geprüft werden? | Ja | Nein; die Untertitel entstehen live |
| Kann die Übersetzung an die Inszenierung angepasst werden? | Ja, durch menschliche Redaktion und Proben | Nur mittelbar; Live-Maschinenübersetzung hat keinen inszenierungsspezifischen Redaktionsprozess |
| Wie wird das Timing gesteuert? | Eine Bedienperson spielt vorbereiteten Text passend zur Aufführung ein | Untertitel erscheinen, wenn Sprache erkannt und bestätigt wurde |
| Wofür eignet es sich am besten? | Schauspiel mit Textvorlage, Oper, übersetztes Theater und vorbereitete Präsentationen | Improvisation, Vorträge, Fragerunden, Panels und ungeskriptete Aufführungen |
| Was ist der zentrale Zielkonflikt? | Zeit für Vorbereitung und Proben | Weniger Sicherheit bei Wortlaut, Timing und Übersetzungsqualität |
Ein Live-System kann schnell und nützlich sein, ohne redaktionell einem vorbereiteten Übertiteltrack zu entsprechen.
Warum Macbeth in der Regel vorbereitete Übertitel braucht
Ein Pockitle-Validierungslauf mit Macbeth zeigt den Unterschied zwischen beiden Workflows sehr deutlich.
An einer Stelle wurde als Live-Quelltext folgender Ausschnitt bestätigt und veröffentlicht:
“Have lighted fools the dusty way to death.”
Derselbe bestätigte Ausschnitt wurde gleichzeitig in mehreren Sprachen ausgegeben:
| Ausgabe | Live-Untertitel aus dem Validierungslauf |
|---|---|
| Englisch | Have lighted fools the dusty way to death. |
| Japanisch | 埃っぽい道を通って死へ、愚か者たちを照らした。 |
| Traditionelles Chinesisch | 點燃愚人的火焰,讓他們走上塵土飛揚的死亡之路。 |
| Französisch | J'ai éclairé les fous sur le chemin poussiéreux de la mort. |

Die Pockitle Live Console während des Macbeth-Validierungslaufs mit bestätigter Ausgangsunterschrift, Publikumsübersetzungen und Vorschau der Saalanzeige.
Gerade deshalb sind diese Ausgaben aufschlussreich: Pockitle tut hier, wofür Live-Untertitel gedacht sind — es veröffentlicht den Text, der in diesem Moment bestätigt werden kann. Die eigentliche Schwierigkeit liegt darin, dass der bestätigte Quellausschnitt nicht mehr Shakespeares vollständiger Satz ist.
Der vollständige Gedanke lautet:
“And all our yesterdays have lighted fools
The way to dusty death.”
Fehlt die erste Hälfte, werden sowohl Grammatik als auch Bildsprache instabil. Im traditionellen Chinesisch wurde lighted im Sinn von „in Brand setzen“ verstanden. Im Französischen erhielt das Fragment ein Ich-Subjekt — J'ai. Im Japanischen wurde das Bild um einen „staubigen Weg“ neu organisiert. Jede Übersetzung versucht, aus einer unvollständigen Quelle einen sinnvollen Satz zu machen.
Bei vorbereiteten Übertiteln kann das Team mit dem vollständigen dramatischen Gedanken arbeiten und vor der Aufführung eine redaktionelle Entscheidung treffen. Die folgenden Fassungen sind daher keine kanonischen Shakespeare-Übersetzungen, sondern mögliche, für eine Produktion weiterzuentwickelnde Lösungen:
| Sprache | Beispiel für einen vorbereiteten Übertitel |
|---|---|
| Traditionelles Chinesisch | 我們所有的昨日,都曾替愚人照亮那條走向死亡、歸於塵土的路。 |
| Japanisch | われらのすべての昨日は、愚か者が死へ、塵へと向かう道を照らしてきた。 |
| Französisch | Tous nos hiers ont éclairé aux fous le chemin vers la mort, vers la poussière. |
Keine dieser Fassungen ist die richtige Übersetzung von Macbeth. Eine andere Inszenierung kann eine wörtlichere, zeitgenössischere, archaischere oder stärker verdichtete Sprache wählen. Genau darin liegt der Vorteil vorbereiteter Übertitel: Übersetzung, Regie und Übertitelteam haben Zeit zu entscheiden, welche Sprache zu dieser Inszenierung gehört, und können Wortlaut und Cue-Timing in der Probe überprüfen.
Derselbe Validierungslauf zeigt noch ein zweites, subtileres Problem. Shakespeare schreibt:
“Creeps in this petty pace from day to day.”
Ein Live-Stream kann daraus zwei gut lesbare Einheiten machen:
“Creeps in this petty pace.”
“From day to day.”
Dabei muss kein Wort falsch erkannt worden sein; dennoch wird die rhetorische Einheit in zwei Teile geschnitten. Bei improvisierter Sprache ist dieser Kompromiss oft sinnvoll, weil das Publikum den Text sofort braucht. Bei geschriebenem Vers kann die Inszenierung dagegen eine vorbereitete Cue-Grenze bevorzugen, die Metrum, Atem, Spiel und Lesezeit berücksichtigt.
Deshalb sollte eine stabile Macbeth-Inszenierung normalerweise vorbereitete Übertitel mit SurtitleLive verwenden. Pockitle ist stärker, wenn die Worte tatsächlich erst im Moment entstehen — etwa bei einem Q&A nach der Vorstellung, einem Künstlergespräch, einer Improvisationspassage oder einem anderen ungeskripteten Teil.
Wo Pockitle die stärkere Wahl ist
Pockitle ist besonders nützlich, wenn sich die Worte nicht seriös im Voraus vorbereiten lassen.
Beispiele sind:
- Improvisationstheater;
- Stückentwicklungen, deren gesprochener Inhalt sich stark verändert;
- ungeskriptete Publikumsinteraktion;
- Nachgespräche und Künstlergespräche;
- Fragerunden mit dem Publikum;
- Podien und öffentliche Gespräche;
- Vorlesungen, Workshops und Community-Veranstaltungen;
- Zeremonien, Ankündigungen und Reden;
- Proben oder Work-in-progress-Formate, in denen der gesprochene Text noch im Wandel ist.
In solchen Situationen kann eine vorbereitete Cue-Liste unmöglich, unvollständig oder irreführend sein. Live-Untertitel ermöglichen es dem Publikum, Sprache zu verfolgen, die erst im Raum ihre endgültige Form erhält.
Viele Produktionen brauchen beide Workflows
Die Entscheidung zwischen Übertiteln und Live-Untertiteln muss nicht für eine gesamte Veranstaltung gelten.
Ein einzelner Theaterabend könnte verwenden:
- vorbereitete SurtitleLive-Übertitel für die geskriptete Aufführung;
- Pockitle-Live-Untertitel für das Nachgespräch;
- Smartphones als eine verfügbare Leseroute in beiden Teilen des Abends.
Ein Festival kann SurtitleLive für eine internationale Produktion mit festem Text einsetzen und Pockitle anschließend für ein Panel mit den Künstlerinnen und Künstlern. Eine Schule kann für eine geskriptete Szene Titel vorbereiten und die anschließende Diskussion der Schülerinnen und Schüler live untertiteln.
Das ist keine Doppelarbeit. Es bedeutet, den Text-Workflow an den Moment anzupassen, in dem die Worte entstehen.
Klarer Ton ist Teil des Untertitelangebots
Die Qualität von Live-Untertiteln beginnt, bevor die Sprache den Browser erreicht.
Pockitle funktioniert am besten, wenn:
- die Veranstaltung durchgehend eine feste gesprochene Ausgangssprache verwendet;
- Mikrofone nah genug sind, um klare Sprache aufzunehmen;
- der Veranstaltungsort einen kontrollierten Sprachmix bereitstellen kann;
- Sprecherinnen und Sprecher nacheinander sprechen, statt sich zu überlagern;
- Namen und Fachbegriffe nach Möglichkeit getestet wurden;
- jede angekündigte Sprache im tatsächlichen Raum geprüft wurde.
Weniger geeignet ist Pockitle für Gesang, musikgeprägte Aufführungen, dauerhaft überlappende Dialoge oder Veranstaltungen, die häufig zwischen gesprochenen Ausgangssprachen wechseln.
Schlechter Ton lässt sich nicht durch zusätzliche Übersetzungssprachen reparieren.
Dem Publikum ein ehrliches Versprechen geben
Pockitle-Untertitel und -Übersetzungen werden maschinell erzeugt. Sie können gelegentlich verzögert, unvollständig oder falsch sein.
Das macht das Angebot nicht wertlos. Es bedeutet, dass die Produktion es präzise beschreiben sollte.
Informieren Sie das Publikum darüber:
- wo die Untertitel erscheinen;
- welche Sprachen verfügbar sind;
- ob ein eigenes verbundenes Smartphone erforderlich ist;
- ob ein gemeinsamer Saalbildschirm bereitsteht;
- was das Team tut, wenn die Untertitelausgabe nicht verfügbar ist.
Live-Untertitel liefern außerdem nicht automatisch alle Bestandteile eines barrierefreien Untertitelangebots. Je nach Publikum und Veranstaltung können Sprecherkennzeichnung, wichtige Geräuschinformationen und professionelle Untertitelunterstützung zusätzliche Planung erfordern.
Wenn Genauigkeit geschäftskritisch, vertraglich garantiert oder Teil einer formalen Compliance-Anforderung ist, kann ein professioneller Live-Captioning- oder CART-Dienst die geeignetere Lösung sein.
Pockitle in Aktion erleben
Die öffentliche Pockitle-Demo zeigt, wie vorläufig erkannte Sprache zu bestätigten Untertiteln wird, wann Übersetzungen aktualisiert werden und wie derselbe Untertitelstand auf Publikums-Smartphones sowie einer saalähnlichen Anzeige erscheint.
Die Demonstration ist vorab aufgezeichnet. Besucherinnen und Besucher können das Produktverhalten prüfen, ohne ein Mikrofon zu öffnen oder eine Live-Sitzung zu starten. Sie erklärt den Workflow; sie ist kein allgemeiner Maßstab für Geschwindigkeit oder Genauigkeit.
Testen Sie Pockitle nach der Demo mit den tatsächlichen Stimmen, Mikrofonen, Räumen und Sprachen der Veranstaltung.
Pockitle öffnen, unterstützte Sprachen ansehen oder den Pockitle Live Quick Start lesen.
Was vorbereitet werden kann, wird vorbereitet. Was erst live entsteht, wird live untertitelt.